Ein Ausländer in Moskau

» N u n   g u t ,   w e r   b i s t   d u   d e n n ?   –

E i n   Te i l   v o n   j e n e r   K r a f t ,

d i e   s t e t s   d a s   B ö s e   w i l l   u n d   s t e t s   d a s   G u t e   s c h a f f t . «

Direkt mit dem Auszug aus dem Gespräch Goethe’s Faust mit dem düsteren Mephistoteles – wird Michail Bulgakovs Meister und Margarita eingeleitet. Bulgakov hatte in den düstersten Zeiten am Ende seines Lebens an diesem heiteren und tiefsinnigen Buch gearbeitet. Noch in den letzten Wochen vor seinem frühen Tod im Jahr 1940 (er war 49) hatte er seiner Frau die letzten Änderungen diktiert. Die große Sprache und schneidende Ironie im Umgang mit der jungen Sowjetunion hätte es niemals durch die Maschen des Unterdrückungsapparats Stalins geschafft.

Heute erinnert ein Schild direkt an den sogenannten „Patriarchenteichen“ an den Anfang des Geschehens im Buch – der Begegnung des Schritstellers Besdomny und des Literaturkritikers Berlioz mit jenem Bulgavoschen Mephistopheles Voland, der den beiden unheimlich – als Ausländer – erscheint. „Bekleidet war er mit einem teuren grauen Anzug und dazu passenden ausländischen Schuhen. Die graue Baskenmütze hatte er flott aufs Ohr geschoben, und unterm Arm trug er einen Stock mit schwarzem Knauf in Form eines Pudelkopfes. Dem Aussehen nach war er etwas über vierzig. Der Mund war leicht schief. Das Gesicht glattrasiert. Brünett. Das rechte Auge war schwarz, das linke aber grün. Die Brauen waren schwarz, doch saß die eine etwas höher als die andere. Kurzum – ein Ausländer.“

Einiges hat sich seit dem geändert. Ausländer strömen heute überall durch die Straßen um die Patriarchenteiche. Die exklusivesten Kleidungsstücke tragen heute in Moskau auch eher die Mitglieder der in den letzten 10 Jahren dramatisch angestiegenen russischen Mittelklasse, als deren Freunde aus Deutschland oder England. Aus den leeren Straßen des verängstigten Moskaus der 30er ist ein wuselndes nie schlafendes Riesenwesen geworden, das leuchtet, rast, hupt und stolpert. Und endlich bin ich hier angekommen. In den nächsten Monaten und Jahren soll hier die Basis für allen weiteren Erkundungen liegen.

Endlich Moskau!

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