Die erste Reise im November 2012 führte mich noch gleich zu dem lang-ersehnten großen Ziel vieler Reisender der transsibirischen Eisenbahn: Nach Irkutsk, in die Stadt der Dekabristen, literarisch international von Christine Sutherland in dem Portrait der Maria Wolkonskaja, der „Prinzessin von Sibirien“ verewigt.
Mächtig steht der Russische Zar Alexander III. (1845-1894) am Ufer der Angara in Irkutsk. Dass ihn nationale Minderheiten wie die Balten ihn nicht lieben hing mit seiner radikalen Russifizierungspolitik zusammen, dass Juden ihn nicht lieben können mit den Pogromen und den Einschränkungen ihrer Rechte während seiner Amtszeit, Liberale konnten ihn nicht lieben, nachdem er alle Liberalisierungen seines Vaters rückgängig machte bis auf die Wiedereinführung der Leibeigenschaft, die auch er nicht mehr hätte durchsetzen können. Aber für eines waren ihm die gepeinigten Bewohner von Irkutsk wirklich dankbar: er begann mit dem Bau der Transsibirische Eisenbahn, die auch Irkutsk mit Europa verbinden sollte.
Berühmt ist die 1758 erbaute Kirche der Kreuzerhöhung, die man im Hintergrund verspielt und bunt sieht, dafür komplett aus Holz gebaut zu sein. An den gut eingepackten schnellen Gestalten auf der Straße kann man die Minus 30 Grad Außentemperatur erahnen. Zum Glück sitze ich hier noch im Auto.

Europa sieht in Europa meist anders aus: Das Europahaus
Das Europäische Haus ist ein besonders schönes Beispiel der wunderbar geschnitzten Fassaden der Holzhäuser, die alt und schön weiter das Bild der Innenstadt dominieren. Dazu ist das Europäische Haus nicht nur ein Gebäude, sondern auch eine Institution der drei europäischen Gesellschaften in der Stadt, der belgischen, französischen und deutschen, die wichtigen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Europa und Ostsibirien zu fördern.

Wenn Goethe und Brehm auch ein paar Jahre in Sibirien geforscht hätten – wundern würde es mich nicht mehr
Das Irkutsker Museum für Regionalstudien hat eine Menge vertrauter deutscher Namen an der Fassade, die von den langen Beziehungen Deutscher bis nach Ostsibirien zeugen: Zuerst sehen wir den Namen von Johann Gottlieb Georgi, einem ehemaligen Apotheker aus Stendhal, der nicht nur den Baikalsee für den Zaren kartographierte, sondern 1772 auch ein im Eis Ostsibiriens konserviertes Nashorn entdeckte. Den zweiten kennt dem Namen nach zumindest jeder Tübinger: der 1709 geborene Johann Georg Gmelin machte sich nämlich schon viel früher einen Namen als Sibirienforscher bevor er 1747 wieder Professor in seiner Heimatstadt Tübingen wurde. Dann Daniel Gottlieb Messerschmidt, ein Danziger, der von St. Peterburg beauftragt sieben Jahre Natur und Landschaft Sibiriens studierte. Alexander von Humboldt zu guter Letzt namentlich auf dem Bild zu sehen ist mit seinem Bruder Wilhelm sicherlich der bekannteste Universalgelehrte der deutschen Geschichte. Weniger bekannt sind seine weiten Reisen durch das russische Reiche, wieder im Auftrag des Zaren. Nicht zu sehen auf dem Bild sind die in den Stein gemeißelten baltischen Sibirienforscher Richard Maack, Alexander von Middendorff und Ferdinand von Wrangel. Aber was schreibe ich hier nur von Namen im Stein, Ostsibirien das ist ja auch Natur:
Wie ein Ozean ist der Baikalsee bei diesen Temperaturen von unter Minus 30 Grad Celsius noch nicht gefroren, das wird er aber im Dezember. Der tiefste See der Welt hat auch das weltgrößte Wasservolumen und eine ihm eigene Artenvielfalt an Fischen. Wie herrlich doch der rohe Omul mit Pfeffer, Salz und Zwiebel schmeckt! Ostsibirien ich komme wieder!


